Bürgerreise Moshi 2016

Bürgerreise Moshi 2016

Einladung bei der Stadtverwaltung Moshi  (Protokoll: Beate Kolb)


Anwesend:
Oberbürgermeister Lord Mayor Mr. Raymond Robert Mboya
Municipal Director Verwaltungsdirektor Michael N. Mwandezi
Head of Departments
2 Stadträte: Anthony Benedict Ndewawio, Hilda Woiso
Christoph Scholz (arbeitet zu 70 % beim   „Head of Watersupply“ und 30 % für die Partnerschaft mit verschiedenen Städten in anderen Kontinenten, soweit ich verstanden habe, im Augenblick vor allem für Tübingen)

Struktur der Kommune:

Der Oberbürgermeister wird von den Stadträten aus ihrer Mitte heraus gewählt.
Der Verwaltungsdirektor wird von der Zentralregierung ausgewählt, der gegenwärtige Direktor ist ca. 6 Wochen im Amt.
Stadträte: sie sind eng an die „Ward“ gebunden (Quartiere) Jede Straße wiederum hat einen eigenen Chairman. Es werden Ward – Meetings organisiert. Chairman und Councillor leiten diese. Die Ergebnisse bzw. Prioritäten werden in die Sitzungen des gesamten Council der Stadt eingebracht. Dort werden dann die Entscheidungen demokratisch getroffen. Der Stadtrat Moshi besteht mehrheitlich aus Mitgliedern der tansanischen Oppositionspartei.

Empfang der Reisegruppe in der Townhall

Lord Mayor Worte der Begrüßung:
„Nothing made me happier about beloved people of Sister City to come. This City has a long relationship to the Germany. You are most welcome, enjoy our hospitality!
…..
It is my fist time to talk to a delegation of Germany!”
Christoph Scholz arbeitet zur Zeit als CIM-Fachkraft im Moshi. Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) ist eine Arbeitsgemeinschaft der GIZ und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA). CIM vermittelt Fach- und Führungskräfte an Arbeitgeber in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Er gibt einen kurzen Überblick über die formale Geschichte der Partnerschaft:
Ganz frühe Beziehungen stammen aus der Missionsgeschichte: Ludwig Krapf machte in Old Moshi Station auf seinen Erkundungen.
2011: Climate Partnership Tübingen – Moshi „Memorandum of understanding“
2014 Agreement official Delegation came to Moshi signed the Partnership
2015 Integrated Partnership through Christoph Scholz (er hat einen Teilzeitauftrag für die internationalen Partnerschaften der Stadt Moshi, im weitesten Sinne von der GIZ bezahlt)

Kurzer Überblick über die Projekte der Partnerschaft durch Christoph Scholz:

  • Biogas Anlage erste Expertise erfolgte über eine Studentin der Universität Hohenheim
  • Moshi Kaffee: ist in Tübingen wohl bekannt. Wird über KNCU vermarktet.
  • KCMC: Photovoltaik Anlage, dieses Projekt stockt derzeit. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren ist nicht am Laufen.
  • Toiletten in Schulen, hierzu  gibt es unabhängig von der Städtepartnerschaft einen Antrag bei der GIZ zur Finanzierung.
  • Die „Französische Schule in Tübingen“ möchte gerne ein Projekt zum Klima Wandel mit einer Sekundar Schule in Moshi eingehen. Es gibt Gespräche.

Vortrag des  “Head of Department “Cleanings and Environment”, Mr. Denford Kamenya
Waste disposal, Cleanliness of the town, Beauty of the town.


Freie Diskussion
-Könnte es in Moshi auch eine Bürgergruppe zur Partnerschaft geben? Gegenargument: die Menschen hier sind mit dem täglichen Leben sehr beschäftigt. Der Councillor Anthony Benedict Ndewawio würde eine Gruppe begrüßen.
-Christoph Scholz  meint: eine Person so wie er für Tübingen Ansprechpartner ist, sollte es in Moshi geben.
-Könnte es in der Stadt so etwas wie ein Tourismusboard / Tourismusbüro geben?? . Die Ressource Tourismus könnte besser gebündelt gestaltet werden. Es gibt zwar eine Assoziation von Anbietern (Safari- und Kilimanjaro- Touren vor allem)
-Bäume pflanzen ist schon als allgemeine Aufgabe von Vielen anerkannt und wird praktiziert.

Nach den wichtigsten Aufgaben / Herausforderungen gefragt, lautet die Antwort des Majors: Toiletten an Schulen, freie Bildung, Sauberkeit der Stadt inklusive Müllentsorgung .
Ein Museum zur Geschichte Moshi ist in Planung.


Ausfahrt nach Old Moshi

Besuch der Gemeinde Kitimbirihu/Old Moshi
Sehr freundlicher Empfang durch den dortigen Pfarrer. Die Rumpelfahrt durch die üppige Farm Gartenlandschaft brachte unter uns staunende Ausrufe hervor!
Besichtigung der Gedenktafel: An dieser Stelle ist das Evangelium am Kilimandscharo zuerst und in der Chaggasprache verkündet worden. Hier taufte Steggal des Landes Erstlinge1889 – 1891.
Diesen Ursprung der Missionierung und um den historischen Platz zu erhalten und würdigen ist das die Errichtung eines Memorial Kitimbirihu Christian Holistic Centre mit den Einrichtungen gewidmet:
Museum der Missionsgeschichte mit dem Schwerpunkt der Arbeit von Dr. Bruno Guttmann (1876-1966)
Errichtung eines Hostels, Bibliothek, Gebetsraum Küche und Speisesaal, Seminarraum Geschenkeladen
Für die weitere Umgebung möchte das Zentrum folgende Aufgaben erfüllen:
Programme zur geistlichen und sozialen Stärkung
Gebete und Einkehrtage, auch im historischen Zusammenhang
Bildungsangebote:  formaler Art, handwerklich, Fremdsprachen, Information- und Kommunikationstechnologie
Jugendsozialarbeit für drogenabhängige und gefährdete Jugendliche
Verbesserung von Einkommensarbeit
Betreuung von älteren Menschen
Einkommen für die Nord-Diözese der Evangelical Lutheran Church.
Das Zentrum befindet sich mitten im Bau.
In der Kirche gab es für die Reisegruppe eine Andacht und einen Imbiss.

Nach einer weiteren Fahrt über eine Naturstrasse durch eine üppige Gartenlandschaft erreichten wir Kidia.
Dort erwartete uns ein weiterer geschichtlich wichtiger Ort in  einem gepflegten Areal mit schönem Baum- und Buschbestand. Auch hier gab es einen liebevoll vorbereiteten Imbiss.
Der Pastor (im aktiven Ruhestand)  gab uns einen anschaulichen Einblick in die Geschichte des Ortes und erklärte uns die Errichtung eines Museums in der ersten Stein- Kirche der Kilimanjaro Region. Sie ist äußerlich bereits sehr gut renoviert. Innen sahen wir Regale, sie sollen dann der Einrichtung eines Museums dienen.
(vertiefende Informationen siehe im Internet)
Das Missionsensemble in Kidia / Old Moshi
Allgemeine Informationen zum Objekt
Dokumentation und Auswertung historischer Quellen
Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig e.V.
http://www.lmw-mission.de/files/11-kidia-histdocu-2879.pdf

1960 erfolgte der Bau der neuen Kirche


Gegenwärtige Institutionen auf dem Areal:

Teachers Training College,
Dispensary, Printing Press, Girls School Vorläufer einer High School,
Gräber von Missionaren, Kidia Lutheran Church,


Zum Gelände:
Jede Konfirmandenklasse muss 10 Bäume pflanzen, die Frauengruppe ist aktiv in der Verschönerung: sie legt Blumenbeete an.
Missionar Bruno Gutmann hatte sich neben der kleinen Kirche bereits sein eigenes Grab vorbereitet (gar nicht mal so bescheiden). Es kam dann aber nicht dazu, dass er dort beerdigt wurde. Er starb in Deutschland und ist in Ehingen am Hesselberg begraben.
1931 wurden zwei Stahlglocken von der Gemeinde Lichtenberg gespendet, wohl auch, um sie vor dem Einschmelzen zu Kriegszwecken zu retten. Daraus entstand ab 1990 eine Partnerschaft mit der dortigen Gemeinde Kidia, in der die Glocken von 1931 noch immer in Verwendung sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes-Kirche_(Lichtenberg)
http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/familie-spurensuche-kilimandscharo-brunnen-frankenland
https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Gutmann
http://www.lmw-mission.de/de/missionar-2.html
http://www.rowohlt.de/taschenbuch/tillmann-pruefer-der-heilige-bruno.html

Zukunftspläne der Gesamtgemeinde:

Bau eines Kindergartens
Bau eines Gäste-Besuchshauses
Befestigung der Wege zu den Nachbargemeinden
Bau von modernen Toiletten.
Neue Methoden zur Ausbreitung des Evangeliums entwickeln
Pflege der Umgebung, Anleitung der Gemeindeglieder
Weiterentwicklung der Chöre und Leitungsstrukturen

Nachsatz zum Besuch von Old Moshi

Die beiden Besuche in Old Moshi waren eigentlich als Kurzbesuche geplant und sollten nur aufzeigen, dass die Ursprünge der Stadt Moshi an den unteren Hängen des Kilimanjaro liegen. Hier ist das Klima ausgeglichener und die Bewirtschaftung aufgrund der natürlichen Ausstattung (Böden, Klima, Regen…) fruchtbarer. Hier hatten sich die Missionare zunächst niedergelassen und hier lebte der Großteil der Bevölkerung bis zum Bau der Eisenbahnlinie Tanga- Moshi.  Zuerst waren vor allem britische Missionare in der Gegend von Old  Moshi. Es gab Rivalitäten zwischen britischen und deutschen Missionaren ebenso wie zwischen katholischen und lutherischen Missionaren. Es kam anfangs auch zu großen Problemen zwischen der Bevölkerung und der deutschen Verwaltung als sich die Missionare ansiedeln wollten.

Besichtigung des Bahnhofes Moshi

1912  wurde in der Ebene der Bahnhof in Moshi gebaut, den wir nach dem Besuch in Kidia ebenfalls besichtigen. Der Bau der Bahnlinie führte dazu, dass sich Verwaltung und Lager- Geschäftshäuser ebenfalls in der Nähe des Bahnhofs ansiedelten und schließlich der Ort Moshi insgesamt in de Ebene verlegt wurde. Leider ist der Bahnhof schon zum Teil baufällig. Der letzte Personenzug sei 1997 der letzte Güterzug 2007 auf dieser Bahnstrecke gefahren.  
Wir erfahren, dass beabsichtigt ist, die Bahnlinie zu reaktivieren. Eine chinesische Gesellschaft möchte sie wieder in Betrieb nehmen. Das Gebäude des Bahnhofs benötigen sie dazu offensichtlich nicht, Daher gibt es Überlegungen, ihn zu einem Museum umzubauen. Darüber hat es offensichtlich auch schon Gespräche mit der Deutschen Botschaft und dem damaligen Außenminister Guido Westerwelle gegeben.

Abend Programm

Am Abend waren wir bei Carola Rasmussen eingeladen, eine skandinavische Journalistin, die ihren Lebensmittelpunkt jetzt in ein privilegiertes Wohngebiet von Moshi in der Nähe des Golfclubs verlegt hat. Wir kommen verspätet, aber gerade noch rechtzeitig zum  grandiosen Sonnenuntergang  an um ihre einzigartige Sammlung von großen Steinskulpturen aus Simbabwe zu betrachten.
Im großen Garten erläutert Christoph Scholz seine Arbeit zur Städtepartnerschaft noch einmal genauer. Es ergeben sich interessante Diskussionen über die Präsentation am Vormittag zur Abfallentsorgung:
Die bisherige Mülldeponie ist nur eine ungeplante Ablagefläche ohne irgendwelche Umweltstandards wie zum Beispiel Grundwasserschutz. Eine gut geplante Mülldeponiemit entsprechender Umweltvorsorge wäre dringend erforderlich. Insgesamt fehlen aber zur geordneten Abfallbeseitigung vor allem auch (Müll-)fahrzeuge. Es wird diskutiert, ob Tübingen evtl. ausgemusterte Müllfahrzeuge spenden könnte. In Reutlingen hat es wohl ein ähnliches Projekt gegeben. Wer könnte die Kosten  für das Fahrzeug und für den Transport sponsern???