Coffee-Tour in Materuni

Coffee-Tour in Materuni

Am dritten Tag war im Dorf Materuni für uns eine Coffee Tour organisiert, wo uns der Kaffeeanbau sehr anschaulich und mit afrikanischer Fröhlichkeit erklärt wurde. Mit dem Minibus fahren wir zusammen hin.

Materuni liegt an den südlichen Hängen des Kilimanjaro etwa 14 km von Moshi entfernt. Es ist das letzte Dorf vor dem Nationalpark und liegt schon ziemlich hoch. Das Wetter ist diesig und recht kühl.

Der Name „Materuni“ bedeute „Disziplin, sagt man uns. Aus anderer Quelle heißt es, es sei der Name der Familie, die dort traditionell gelebt habe.

Es gibt eine Legende, dass in sehr viel früheren Zeiten unverheiratete Schwangere auf dem Felsen am gegenüberliegenden Felsvorsprung getötet worden seien. Als die Missionare kamen, hätten sie an der Stelle eine Kirche errichtet und diese Todesstrafe abgeschafft.

Wir werden freundlich und fröhlich empfangen. Man erklärt uns, dass der Kaffee hier im Stockwerksanbau und in Mischkultur angebaut wird. Das bedeutet, dass in den klein parzellierten Shambas unter großen schattenspenden Bäumen wie Avocado-Bäumen, Jackfrucht-Bäumen, Tamarillo (Baumtomaten) und anderen. In den Bäumen sehen wir auch Bienenstöcke aus ausgehöhlten Teilstücken von Baumstämmen. Unter den Bäumen wachsen meist Bananen und dazwischen Kaffeesträucher.

In der Strauchschicht darunter werden Mais, Bohnen – auch sinnvoll als Stickstoffsammler, stärkehaltige Cassava /Maniok, Süßkartoffeln und Yams angebaut und Amaranth, der auch gerne als eine Art Spinat zubereitet gegessen wird. Als Schutz gegen Erosion wächst an den Böschungskanten der terrassierten Felder ein hohes Gras, das auch als Viehfutter genutzt wird. Außerdem sehen wir noch Rizinus und Engelstrompeten. Besonders aber ist die Pflanze „Isale“ (Dracena; Drachenbaum), die sehr häufig als Grenzhecke gepflanzt ist. Diese Pflanze hat eine ganz besondere Bedeutung: sie dient als Zeichen der Verbundenheit mit den Ahnen, sie soll vor Übergriffen auf das Eigentum schützen und sie dient vor allem als Pflanze der Verzeihung mit etwas unterschiedlichen Ritualen in den jeweiligen Dörfern:

Als Knoten geformt, der den „Knoten im Kopf“ bedeuten soll, wird sie als Vergebungszeichen zusammen mit Mbegge (Bananen-Hirsebier) überreicht. Der Knoten soll dann geöffnet werden, als Zeichen für die Öffnung der Gedanken. Die Bitte um Vergebung darf nicht abgelehnt werden, weil sonst es sonst schlimme Folgen haben könnte.

Nach besonderer Art gefaltet, kann ein Isaleblatt auch bedeuten „Ich bin nicht zuhause“, oder als Wegweiser. In anderer Bedeutung dient es als Heiratsantrag. Häufig wird es als Grabbepflanzung gewählt (wenn es gut anwächst, komme der Verstorbene in den Himmel)

Within this mixture of plants is another component plant ‘isale’ seen everywhere, is a very impor-tant plant for the Chagga as a boundary marker, as a symbol to identify lineage and to warn non-members not to trespass on their land. No one will pass through the places where isale is grown without permission of a lineage member. Furthermore, isale is used as a medicine to care stomach aches”

Nun beginnt die Information zum Kaffeeanbau:

Es gibt in Tansania im Wesentlichen zwei Kaffeesorten: Arabica und Robusta. Hier im Hochland auf Höhen über 1.000m NN wird Arabica-Kaffee angebaut. Robusta hat zwei Kerne und eine größere Erntemenge. Arabica hat nur einen Kern und daher eine geringere Erntemange. Ursprünglich stammt dieser Kaffee aus Äthiopien. Er wurde durch Missionare zunächst in Mbeya (im Süd-Westen Tansania) dann in Morogoro angebaut. Ab 1880 kam der Kaffee in die Kilimanjaro -Region. Dort wurde er zunächst in Kilema angebaut. Die Kaffeesträucher werden mit Kuhdung gedüngt.

Kaffeepflanzen können gleichzeitig blühen und Früchte tragen. Die Ernte wird aber nicht gleichzeitig reif, sondern fortlaufend. Das macht natürlich die Arbeit mühsamer. Die Haupterntezeit ist im Dezember.

In den großen Monokulturen von Tchibo, die wir auf unserer Wanderung bei Mweka noch sehen werden, wird ein Ernte-Reifemittel gespritzt, damit die Kaffeekirschen gleichzeitig reifen sollen. Die Arbeiter werden von weither in Bussen zu den Tchibo-Plantagen gefahren, denn die ortsansässigen Bauern wollen dies Mittel nicht ausbringen, weil sie inzwischen wissen, dass der Umgang damit krank machen kann.

Wir werden von „Mr.Coffee“ durch die Shamba geführt und dürfen selben nach reifen, roten Kaffeekirschen suchen und einige ernten. Man muss darauf achten, dass der Stiel an der Pflanze bleibt, denn dort bildet sich die nächste Blüte. Nach der Ernte werden die Früchte zunächst gewaschen. Anschließend kommen sie in eine Schälmaschine, die mit einer Handkurbel angetrieben wird. Das 3-4 Tage lange Wässern, das der Fermentierung dient wird natürlich übersprungen.

Das anschließende Trocknen dauert in Materuni wegen des feuchten und oft nebligen Wetters bis zu 7 Wochen. Beim nächsten Arbeitsschritt muss die innere Schutzhülle des Kaffees entfernt werden. Dazu wird der Kaffee in einem großen Holzmörser (Chokaa) gestampft. Um diese Arbeit zu erleichtern, wird sie mit Gesang begleitet. Wir dürfen/sollen auch mitmachen. Das ist für uns ganz ungewohnt und geht zunächst etwas zögerlich, dann aber unter den anfeuernden Gesängen auch immer besser:

„Twanga, twanga“ (Stampfe, stampfe) singen wir alle gemeinsam, dazwischen gibt der Vorsänger noch weitere Verse um den Stampfenden noch anzufeuern und/ oder ein paar Witze einzubauen: „haraka“ → schneller; „Pole, pole“ → langsamer; „shake-shake“ → beweg dich!

Ein kleiner Junge im Vorschulalter kommt und singt als Vorsänger gerne mit. Er zählt häufig bis 10, verzählt sich aber auch öfter mal „stampfe einmal, stampfe zweimal…“

Endlich ist es soweit, in einem großen Korb kann die Spreu vorsichtig abgeschüttelt werden. Das ist der Rohkaffee, wie er in den Handel, zur Kaffee-Auktion nach Moshi kommt.

Inzwischen wurde ein Feuer entfacht und der Kaffee wird in einem großen Topf vorsichtig unter ständigem Rühren geröstet. Man muss aufpassen, dass gut und gleichmäßig gerührt wird, damit alles gleichmäßig anröstet. Der wunderbare Duft steigt schon auf. Der heiße Topf wird auf einem großen Ring aus Bananenblättern zum Abkühlen abgesetzt.

Jetzt wird wieder gesungen und die Bohnen im Mörser gestampft , um den Kaffee zu „mahlen“. Diesmal übernimmt „Mr Cofee“ diese Arbeit selber, wir unterstützen ihn nur durch mitsingen „Twanga, Twanga“. Im ersten Durchgang wird zunächst die äußere Schicht gemörsert. Sie istdunkler, beim zweiten Durchgang ist die innere Schicht heller und deshalb auch milder im Geschmack.

Dann gibt es eine Leckerei: Frisch gerösteter Kaffee mit Zucker vermischt: jeder bekommt eine Prise auf die Hand zum direkt essen. Das schmeckt sehr gut. Der kleine Junge ist auch ganz begeistert davon und stibitzt sich noch einige Extra-Portionen. Inzwischen kocht das Wasser auf der Feuerstelle und es wird der frische Kaffee aufgebrüht. Wir genießen ihn alle in einer überdachten Pergola.

• Bewässerungssystem
• Viele Familien haben auch noch Felder in den angrenzenden flacheren Bereichen.
• Der Großvater von „Mr Coffee“ ist KNCU-Mitgied: von 10.000TSH (das sind weniger als 5€) werden beim Kauf 7.000 TSH gezahlt und 3.000 TSH später
• KNCU hat früher besser gezahlt. Es gibt offensichtlich Probleme, aber man will nicht so gerne drüber reden. → deshalb eigene Vermarktung über die Kaffeetouren
• Die Verbindung zu KNCU hat sich verschlechtert: „people hate KNCU“

o   Wo bleibt der Gewinn?
o   Welche Leistungen hat KNCU?

• Wegen des Preisverfalls wird inzwischen auch weniger Kaffee angebaut
• Neben Tchibo gibt es bei Mweka noch eine riesige private Farm der Familie Bente, die scheinbar Biokaffee anbauen und vermarkten. Sie arbeiten offensichtlich mit Tchibo zusammen

http://file.scirp.org/pdf/OJSS_2014122214402067.pdf
http://tanzaniaculturaltourism.go.tz/index.php/materuni-cultural
http://www.sakida.de/die-kaffee-farmerin/
http://blog.tchibo.com/aktuell/kaffee/kaffeefarmerin-bente-luther-medoch-uber-den-tv-spot-und- alltag-am-kilimandscharo/
http://www.macharecoffee.com/german.html

23.09.2016