Dantische Reise ins Paradies

Dantische Reise ins Paradies von Lucas Forst-Gill

Wir glaubten ja schon nicht mehr dran – „Lass alle Hoffnung fahren“. Gedanken sprangen uns durch den Geist, während unsere physischen Körper wirklich sprangen. Falls es einer mal wagte  sich ans Fenster zu lehnen – BUMM ; kam das nächste Loch – oder wenn man grade an einem besonders schönen Fotomotiv vorbei fuhr – BUMM BUMM; Schlaglöcher. Während die erste Reihe sich eher auf die Löcher noch freuten („YEAH, nochmal“), wurde es von Reihe zu Reihe ungemütlicher bis zur letzten und damit wieder bei den Dantischen Gedanken.

Aber vielleicht waren ja all diese Strapazen und Mühen nicht umsonst, vielleicht – BUMM; ausgetrocknetes Wasserbecken – auch nicht. Bis jetzt sah man zumindest Staub, den unser Kleinbus aufwirbelte. Das Fenster aufzumachen, war somit nicht die beste Idee, außer man wollte seine Bräunung schneller vorantreiben. In Deutschland sollen sich die Leute ja auch mit Bräunungsspray ein sprayen.

Nun gut, wir blieben lieber bei der Saunavariante, die Abkühlung war uns ja versprochen worden, unser Ziel: Die Hot Springs! Bis jetzt konnten wir nicht glauben, dass wir auf den Weg in „ein Paradies waren“. So hatten es mir zumindest die zahlreichen Kommentare auf Tripadvisor versprochen. Aber konnte das wirklich sein. War um uns herum doch nur Wüste und – BUMM – ja genau Schlaglöcher. Armes Auto, armer Kopf. Und dann kamen doch wieder vereinzelt Zweifel auf: „Hatten wir uns vielleicht verfahren?“ Kaum möglich, wenn es nur eine Straße gibt. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…wir in der hintersten Reihe waren uns nicht so sicher, ob es eine Straße gab. Immer wieder zogen vereinzelt Häuser an einem vorbei, oder auch eine riesige neugebaute Kirche, wo man sich schon fragt: „Hätte man nicht stattdessen lieber mehr richtige Häuser bauen können?“ Aber wenn wir nach Deutschland schauen, kommen mir ähnliche Gedanken (S21, Elbphilharmonie, BER).

Dann ist Schluss mit „vereinzelten Bauten“. Wir fahren an einem Eselsparkplatz vorbei. Klingt komisch, war aber so. Am Markttag kommen Sie alle mit ihren Waren auf Eseln geritten. Esel sind übrigens sehr schlaue Tiere, erklärt man uns. Sie finden komplett alleine nach Hause.

Und plötzlich wird die Vegetation grüner, oder leiden wir schon unter Wahnvorstellungen, eine Kurve später, hängen wir mit unseren Köpfen wieder an der Decke (In welchem Kreis von Dante wir grad wohl sind?). Doch dann geht es ganz schnell, wir halten, nicht wegen eines Fotostopps oder Achsenbruchs (Wirklich, ich denke wir waren oft nah dran. Weil die BUMMS, die ich hier aufgezählt habe, stehen nur repräsentativ dafür. Sonst müsste der Text BUMMreicher sein =). Schnell sind alle draußen, hektische Blicke nach allen Seiten: Wo sind  die Hot Springs. Meine kleine Schwester sprintet schon los, während ich noch nicht ganz mit der wiedergewonnenen Freiheit und Frischluft klarkomme. Aber nur zweiter bei den Hot Springs sein? Nicht mit mir! Und dann sehen wir sie (doch nur als zweiter). Blau schimmernd liegen sie zwischen den Bäumen. Bis auf den Boden kann man sehen, so verführerisch, so….. Badesachen an und rein. Hot sind sie erst mal nicht, was aber auch ganz angenehm ist. Tauchen, schwimmen, mit den Füßen gegen was stoßen, spritzen – MIT DEN FÜSSEN GEGEN WAS STOSSEN?! Hektisches Rumpaddeln und wildes Blicken, ob sich nicht irgendwo doch ein Krokodil auf ein leckeres Häppchen freut. Lachend schwimmt die Freundin her, gibt dem mutigen Helden einen Kuss und zeigt auf einen Baumstamm („Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es wirklich nur der Baumstamm war!“). Und dann entdecken wir was noch Tolleres: die Hot-Springs-Schaukel. Raus aus dem Wasser, am Holz festkrallen und dann ganz in Tarzan Manieren – wieder zurück ins Wasser. Alle Landungen waren dabei: Fuß, Kopf, Rücken, Wasserschuhe und Bauch. Ich glaube, wir wären endlos ins Wasser geplatscht.


Am Abend geht es wieder nach Moshi. Der Eselparkplatz ist inzwischen leer, vorbei an Eisenbahnschienen, auf der sicher nie wieder ein Zug fahren wird, über ein paar Schlaglöcher und dann sehen wir ihn wieder in weiter ferner. Unsere Konstante der ganzen Moshi-Reise. Frei von Wolken begrüßt er uns zurück, zwischen Sonn’ und Sterne – der Kilimanjaro!

Gemütlich, daheim am iPad sitzend, zurück an die Fahrt denkend, erscheinen einem plötzlich die Schlaglöcher viel flacher, die Hitze im Auto eigentlich als ganz angenehm und die letzte Reihe war ja eigentlich doch die Beste! Die letzte Reihe rockt – BUMM!