Kurzbericht über die 2. Bürgerreise

Kurzbericht über die 2. Bürgerreise vom 25. August bis 7. September in Tübingens Partnerstadt Moshi/Tansania

Die 14 Teilnehmer waren individuell und zu unterschiedlichen Zeiten angereist. Das einwöchige Programm in Moshi begann am Vormittag des 25. August. Die Reisegruppe wurde durch Lord Mayor Raymond R. Mboya (Oberbürgermeister) in seinem Amtszimmer sehr herzlich empfangen. Anschließend fand ein Empfang in einem Sitzungssaal der Stadtverwaltung mit dem Lord Mayor, dem Stadtdirektor, verschiedenen Abteilungsleitern und gewählten Vertretern des Gemeinderates statt. Auch Christof Scholz, der als CIM-Fachkraft bei der Stadtverwaltung Moshi im Bereich Wassermanagement arbeitet war anwesend. 30 % seiner Arbeitskraft ist für die Förderung der Städtepartnerschaft Tübingen-Moshi vorgesehen. Er verwies in einem kurzen Statement auf die historischen Beziehungen zwischen Tübingen und Moshi aus der Missionszeit und der Kolonialzeit hin (Ludwig Krapf, Johannes Rebmann, Karl Peters), sowie auf die seit 2011 bestehende Klimapartnerschaft der beiden Städten.

In lockerer Atmosphäre erklärte man uns u.a. die Organisations- und Verwaltungsstrukturen in Moshi. Eine eventuelle Nutzung des alten Bahnhofs aus der deutschen Kolonialzeit als Museum wurde angesprochen. Der 1912 gebaute Bahnhof wurde schon Ende der 90er Jahre stillgelegt und ist seither ungenutzt und teilweise verfallen. Er hatte früher wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Stadt Moshi.

Der zuständige Abteilungsleiter für die Abfallentsorgung stellte in einer Power Point Präsentation das derzeitige Müllkonzept vor. Moshi gilt seit Jahren als sauberste Stadt Tansanias. Dennoch stellt das Müllmanagement eine große Herausforderung dar. Derzeit werden täglich 225 Tonnen Müll auf eine 3 km außerhalb liegende Mülldeponie gebracht, dort aber lediglich abgekippt. Es fehlt vor allem an geeigneten Fahrzeugen für eine geordnete Müllentsorgung und einem umweltgerechten Management der Müllkippe. Eine neue Mülldeponie, durch Weltbank Mittel gefördert, ist in Planung. Auch die Idee eine Biogasanlage zur Verwertung von Müll wird weiter verfolgt.

Obwohl Moshi weitgehend vom Tourismus lebt, gibt es derzeit keine offizielle Tourist-Information oder ähnliche Organisation in der Stadt.

Zum Ende des Empfangs wurden wir noch zu einem Mittagsbuffet eingeladen.

Am Nachmittag des ersten Tages war noch eine Stadtrundfahrt organisiert, die uns bis zu den ersten deutschen Missionsstationen nach Old Moshi an den Hängen des Kilimanjaro führte. Anschließend besichtigen wir den alten Bahnhof und fahren noch in den Stadtteil Pasua, der von der ärmeren Bevölkerung bewohnt wird. Der Tag endete mit einem Besuch bei einer dänischen ehemaligen Journalistin im Villenviertel von Moshi. In ihrem wunderschönen großen Garten konnten wir ihre seltene Sammlung von Shona Stein-Skulpturen aus Simbabwe bewundern und wurden mit Drinks und Snacks zum Sonnenuntergang verwöhnt.

Der zweite Tag führte uns zum Karanga Technical Training Center. Dort werden Schreiner, Maurer, Flaschner, Schneider und AutomechanikerInnen ausgebildet. Zum Ende unseres Besuches bei dieser Berufsschule werden dort drei Bäume gepflanzt. Im Anschluss fuhren wir nach Uru-Mnini, wo wir nach einer herzlichen privaten Einladung zum Mittagessen die Grundschule Mnini besuchen. Wir
hatten Briefe von Schülern einer dritten Klasse der Grundschule Winkelwiese dabei, mit der Bitte um Kontaktanfragen und Antworten.

Am dritten Tag war bei einem Kleinfarmer im Dorf Materuni eine Coffee Tour organisiert. Dort wurde uns der Kaffeeanbau sehr anschaulich und mit afrikanischer Fröhlichkeit erklärt.

Am Sonntag wurden wir vom Bezirkskantor Aisario Mrema zu einem Gottesdienst inmitten der TPC (Tanganyika Planting Company) Zuckerrohrplantage eingeladen. Nach dem Gottesdienst fand ein Chorwettbewerb mit 21 Kirchenchören statt. Gegen 16°° war der Wettbewerb immer noch im vollen Gange. Wir müssen jedoch vorzeitig gehen, da noch ein Vortrag zur deutschen Kolonialgeschichte und zum Lebensstil der Chagga-Bevölkerung im Moshi-Club geplant ist. Der Vortrag von Arthur J.G. Mallya, der seinen Freund Professor Salema mitgebracht hatte, ist sehr informativ und fesselnd. Es ergeben sich intensive Diskussionen, die an diesem Abend nicht beendet werden können.

Am Montag, dem 29.08. erläutert uns vormittags Dr. Francis die Arbeit von Nafgem, einer Organisation, die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung engagiert. Die Organisation betreibt in Moshi ein Büro, das gleichzeitig als Schutzhaus für geflohene Mädchen dient. Die Reisegruppe kann den Erlös überreichen, der beim Weihnachtsmarkt 2015 vom AK-Moshi durch den Verkauf von Nafgem-Produkten, wie Taschen und Seifen, erzielt werden konnte.

Am Nachmittag besuchten wir die „Hotsprings“ zwischen Moshi und Arusha. Nach langer Fahrt durch trockene, staubige Savanne, gelangt man plötzlich an eine grüne Oase. Der blaugrüne und klare Quelltopf bietet angenehm warmes Wasser, welches uns zum erfrischenden Bad einlud.

Der folgende Tag beginnt mit einem Besuch beim African Wildlife College in Mweka. Ziel ist es, eine Zusammenarbeit der Universität Tübingen mit dem College zum Projekt Kilimanjaro-Friendship Trail anzuregen.

Den Nachmittag verbringen wir mit Essen im TPC-Club und einem Spaziergang auf dem Gelände der Zuckerrohr Plantage. Im schönen alten Park erhalten wir eine kleine vogelkundliche Führung.

In der zweiten Woche unseres Aufenthalts wanderten wir in zwei Gruppen zu je 7 Mitgliedern, um einen Tag versetzt, den ca. 100 km langen Kilimanjaro Friendship Trail an den Hängen des Kilimanjaro auf einer Höhe durchschnittlich 1500 m. Der Trail beginnt in Uduru / Machame und führt bis zum Lake Chala, einem Kratersee. Leichter Nieselregen machte die Abstiege in die tiefen Täler, die man häufig queren muss, zu schwierigen rutschigen Passagen und stellte große Herausforderungen an die Wanderer. Alle Teilnehmer kommen aber nach 6-tägiger Wanderung wohlbehalten am Ziel an.

Insgesamt war es eine ungewöhnliche Reise mit vielen Gelegenheiten zu persönlichen Kontakten. Es war eine Mischung aus interessanten Begegnungen im Kontext der Städtepartnerschaft und intensivem Wander- und Naturerleben.